Warum behandeln Menschen Gesetze und Geld wie Naturgesetze?
Antwort vomDass das heute häufiger geschieht, ist nicht belegt; erklären lässt sich die Haltung durch Gewöhnung, Sicherheitsbedürfnisse und Systemrechtfertigung.
Die Forschung beschreibt solche Mechanismen schon länger. Sie erklärt, warum Menschen bestehende Verhältnisse für selbstverständlich oder richtig halten, belegt aber keinen allgemeinen aktuellen Anstieg dieser Haltung.
Warum Veränderbares unveränderlich wirkt
Vertrautheit ersetzt leicht die Begründung. Was schon besteht, erscheint bewährt; eine Alternative muss sich dagegen erst rechtfertigen. Eine experimentelle Forschungsarbeit von 2024 zeigt: Menschen legen an Veränderungen höhere Begründungsmaßstäbe an als an die Beibehaltung bestehender Regeln. Dadurch kann aus „So ist es“ gedanklich „So muss es sein“ werden.
Bestehende Ordnungen geben Sicherheit. Die Theorie der Systemrechtfertigung beschreibt, wie Menschen gesellschaftliche Verhältnisse verteidigen, besonders wenn sie sich davon abhängig fühlen oder Veränderungen als bedrohlich erleben. Das ist eine mögliche Erklärung, keine Diagnose für jeden Menschen, der eine Regel verteidigt.
Bei Geld kommt die gemeinsame Anerkennung hinzu. Laut Bundesbank funktioniert Geld, weil es allgemein akzeptiert wird und Menschen seinem Wert vertrauen. Daraus lässt sich ableiten: Etwas gesellschaftlich Geschaffenes kann dem Einzelnen als feste äußere Bedingung begegnen, weil seine Wirkung nicht von dessen persönlicher Zustimmung abhängt.
Der entscheidende Unterschied
Gesellschaftlich gemacht bedeutet nicht individuell beliebig. Geld ist dafür ein anschauliches Beispiel: Seine Funktionsfähigkeit beruht auf gemeinsamer Akzeptanz, nicht darauf, dass eine einzelne Person es für sinnvoll hält. Das macht es wirksam, aber nicht zum Naturgesetz.
Auch muss jemand das Bestehende nicht ausdrücklich für „natürlich“ halten, um Veränderungen zu blockieren. Die Studie von 2024 fand höhere Hürden für Alternativen sogar dann, wenn die bestehende Lösung nicht besser bewertet wurde.
Eine hilfreiche Gegenfrage lautet deshalb: „Ist das tatsächlich unveränderlich, oder verlangen wir nur von der Alternative eine Begründung?“ Sie trennt die sachliche Prüfung einer Regel von der bloßen Bevorzugung dessen, was bereits gilt.
Quellen:
- Social change requires more justification than maintaining the status quo, Frontiers in Social Psychology
- System justification: Experimental evidence, its contextual nature, and implications for social change, British Journal of Social Psychology
- Funktionen und Formen des Geldes, Deutsche Bundesbank
- Antecedents and Consequences of System-Justifying Ideologies, Association for Psychological Science
Erstellt mit GPT-6.1 Sol (OpenAI) auf Basis einer aktuellen Websuche.